Wir sind viele unter dem Dach ICH

Wir alle kennen das. Wir wollen ein bestimmtes Ziel erreichen, sind anfangs hoch motiviert und dennoch erreichen wir es nicht. Vielleicht weil wir zu früh aufgeben, weil wir uns verzetteln und manchmal auch scheitern. Je unbewusster wir sind, desto mehr suchen wir nach Gründen und Begründungen, suchen die Ursache im Außen. Es waren die Umstände, der fehlende Markt, der unpassende Zeitpunkt, die anderen, unsere Kooperationspartner, etc.. Bei genauerer Betrachtung wird uns bewusst, dass die Ursache doch in uns selbst liegt.

Goethes Faust kannte das Problem: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Oft sind es nicht nur zwei, sondern viele, die unter dem Dach ICH miteinander in Konflikt stehen. Es scheint da Verhinderer in dein eigenen inneren Reihen zu geben, die sich quer legen, immer dann, wenn wir etwas Neues in die Welt bringen und damit erfolgreich sein wollen.

 

Von dunklen Querschlägern, Saboteuren und Meuterern

Doch wer sind diese Querschläger, die uns unsere Ziele vereiteln? Vielleicht haben wir sie auf der kognitiven Ebene bereits entlarvt. Wir wissen genau, dass es ein Anteil in uns ist, der sich zum Beispiel selbst verurteilt, sich ständig kritisiert. Dieser Teil fühlt sich nicht wertvoll. Er ist es nicht wert Ziele zu erreichen und sich dabei erfolgreich und auch erfüllt zu fühlen. Das ist des Guten zuviel. Lieber schaltet und waltet dieser Teil, abgetrennt vom Rest, weiter in uns und betätigt die Schieberegler zwischen den Polen Macht und Ohnmacht hin und her.

In einem ermüdenden Kreislauf wechseln sich das Machtbestreben als Täter mit den Ohnmachtserfahrungen als Opfer ab, ohne jedoch in eine Erfüllung zu finden. Denn letztendlich kommt die Motivation aus einem kleinen, doch so sehr begrenzten ICH-Anteil. Es gibt viele solcher dualen Spiele, die in uns von den unbewussten Anteilen gespielt werden und unsere Weiterentwicklung behindern. Darüber habe ich in meinem Buch “Die Zeit ist reif für dich!” ausführlicher geschrieben.

Im obigen Beispiel stellt sich im Laufe der Zeit eine gewisse Resignation ein. Der Mensch unterlässt, statt zu unternehmen. Er parkt sich selbst in einer Haltebucht und lässt das Leben an sich lieber vorüberziehen, statt sich einzubringen mit dem, was seinen wahren Fähigkeiten entspricht. Zu groß ist die Gefahr einer erneuten Niederlage. Die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit will nicht gefühlt werden.

 

Die Heimkehr des verlorenen Sohnes

Doch wir sind – der Schöpfung sei es gedankt – viele in uns. Und so gibt es durchaus weise und bereits geschliffene Facetten unserer Selbst, die diese verdrängten, unbelichteten Facetten wahrnehmen und erkennen können. Vorausgesetzt, diese sind dazu bereit, sich zu zeigen, so dass sie nicht nur erkannt, sondern auch gefühlt werden können. Denn das ist der Schlüssel zur Transformation. Geschieht dies, entspricht dies dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, der wieder nach Hause kehrt und vom Vater in Freude aufgenommen wird.

Die Integration dieser, im Schatten waltenden Anteile in uns selbst, ist ein wichtiger Teil, wenn nicht der wichtigste Teil einer integralen Selbstverwirklichung. Erst dadurch sind wir fähig unsere Energien immer mehr zu bündeln und sie in den Dienst der Entfaltung unserer höchsten Potenziale und unserer Ganzheit zu stellen und damit dem Wohle des Ganzen zu dienen.

Wagen wir es, das, was noch im Schatten darbt, ins Licht nach Hause zu holen und seine Rückkehr zu feiern. Denn jede geschliffene Facette unseres Selbstes trägt dazu bei, dass der Diamant, der wir sind, immer mehr funkelt und strahlt und damit die Welt erhellt.

 

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“Führung beginnt bei sich selbst” und

“Führen aus der inneren Autorität heraus”

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